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JungärztInnen von heute gewährleisten die Zukunftsmedizin von morgen. Das Klinisch-Praktische Jahr (KPJ) als Schlüsselstelle nutzen!

Angehende JungärztInnen im Klinisch-Praktischen Jahr (KPJ) werden aufgrund von gesetzlichen Schlupflöchern oftmals als günstige Arbeitsressource missbraucht. Im 48-wöchigen KPJ haben sie weder Arbeitsvertrag, noch Anspruch auf Urlaub, Krankenstand oder ein tatsächliches Gehalt. Sie bekommen eine freiwillige „Aufwandsentschädigung“ über 650€ brutto , zahlen aber Lohnsteuer und Sozialversicherungsbeiträge. Die Absolvierung des 48-wöchigen „Praktikums“ ist Voraussetzung für den Studienabschluss. Es folgt eine Sachverhaltsdarstellung über die „Generation Praktikum“:

Wer sind wir?

Wir sind eine Bewegung für ÄrztInnen, Studierende der Medizin und vor allem Anderen für PatientInnen. Als Verein zur Förderung zukunftsorientierter und evidenzbasierter Gesundheitspolitik greifen wir tagespolitische Themen im Gesundheitssystem auf und scheuen uns nicht diese in den Mainstream zu bringen.

Forderungen kurzgefasst:

  • Ausbildung, die einer objektivierbaren, gewissenhaften Qualitätssicherung unterliegt (inkl. regelmäßiger interner und externer Evaluation aller Abteilungen)
  • Flächendeckende, regelmäßige, praxisorientierte Fortbildungen wie Ultraschallkurse, Nähkurse, sinnvolle IT-Schulungen etc.
  • Verpflichtende Schulung für alle Studierende im Klinisch-Praktischen Jahr (KPJ über Rechte und Pflichten im Rahmen des Curriculums als auch des Ärztegesetzes)
  • Schulungen für kosteneffektives Arbeiten (Anforderung gezielter Laborparameter)
  • Integration eines verpflichtenden Moduls für die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit Pflegekräften im Ausmaß von mehreren Tagen pro Tertial
  • Wertschätzender Umgang mit KPJ-Studierenden
  • Erteilen eines aktiven Lehrauftrages an alle MitarbeiterInnen, inkl. Aufklärungsarbeit, welche Funktionen KPJ-Studierende eigentlich haben und welche nicht
  • Integration einer österreichweiten Anmeldeplattform um Mehrfachanmeldungen für Tertiale zu vermeiden und den administrativen Aufwand -auch spitalsseitig- zu reduzieren
  • Sofern hausintern vorhanden, Freischaltung zu Fortbildungsprogrammen für ÄrztInnen bzw. Restplatzvergabe bei kostenpflichtigen Kursen an KPJ-Studierende
  • Verpflichtend dokumentierte Arbeitszeiten / elektronische Arbeitszeiterfassung
  • Ausgeglichene und supervidierte Arbeitsaufträge im Sinne eines echten Bedside-Teachings
  • Für Wien: Reduktion der ausufernden Dokumentationspflicht für die KPJ-Mappe
  • Attraktivierung der Allgemeinmedizin über ein besser strukturiertes Exzellenzprogramm, als auch eine Erhöhung der Kapazitäten, die dem demographischen Wandel entsprechen

Gesetzliche Änderungen:

  • Außerordentliche Kammermitgliedschaft für KPJ-Studierende
  • Modifikation des §35a Universitätsgesetz und Gleichstellung zu übrigen ArbeitnehmerInnen im Gesundheitsbereich

Integration folgender finanzieller Fördermaßnahmen:

  • Fahrtkostenzuschüsse für pendelnde KPJler
  • Wohnungszuschüsse bzw. gratis Wohnungen, insbesondere insofern eine Famulatur/KPJ-Tertial in der Peripherie angestrebt wird
  • Bezahlte Famulaturen vor allem am Land, als „entry point“ fürs KPJ und anschließende Weiterbildung als FachärztIn/AllgemeinärztIn
  • Anpassung der „KPJ-Aufwandsentschädigung“ auf ein Gehalt 1940€ brutto. Angehende ÄrztInnen sollten in ihrer Ausbildung, Lehrlingen (mit Reifeprüfung) finanziell zumindest gleichgestellt werden. (Elektrotechniklehrlinge[1] verdienen bereits mit 16 Jahren (im 2. Lehrjahr) 897€ brutto, im 4. Lehrjahr mit Reifezeugnis sogar 1906€ brutto).

Kontakt:

+4368181621746
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office@nextgendoctors.at

Die derzeitige Situation im KPJ stellt sich wie folgt dar:

Anwesenheitszeiten:

Im Klinisch-Praktischen Jahr, ist jeder Studierende verpflichtet mindestens 35 Wochenstunden auf der Abteilung zu verbringen. Darin inkludiert sind die „Selbststudienzeit“ im Ausmaß von 5h und strukturierte Unterweisungen in der Höhe von zumindest 3h pro Woche.[2] [3]

Arbeitszeiten:

So wie es von der Uni vorgesehen wird, würde die minimale Wochenarbeitszeit 27h betragen, sofern man Selbststudienzeit und strukturierte Unterweisungen nicht als Arbeit zählen würde. Die Realität sieht aber oftmals anders aus. Arbeitszeiten von bis zu 50h mit der Information, dass Zeitausgleich nicht genehmigt wird, stellen auf manchen Abteilungen die traurige Realität dar.  

Tätigkeitsprofil:

„Grundsätzlich hat daher der/die ausbildende Arzt/Ärztin unter Anwendung der ihn/sie treffenden Sorgfaltspflichten eigenverantwortlich zu beurteilen, in welchem Umfang die Studierenden im Rahmen des § 49 Abs. 4 und 5 ÄrzteG 1998 zu ärztlichen Tätigkeiten herangezogen werden dürfen.“[4] KPJ-Studierende dürfen dementsprechend eine Vielzahl an ärztlichen Tätigkeiten ausüben, müssen das sogar, um den Stationsbetrieb auf vielen Abteilungen aufrechtzuerhalten. Rücksprache mit den ausbildenden ÄrztInnen vorausgesetzt, sonst handelt man im Rahmen einer Einlassungsfahrlässigkeit.

Doch die Arbeitsrealität sieht völlig anders aus: einerseits wird man für ärztliche Tätigkeiten herangezogen -trotz sehr hoher Eigenverantwortung ist das im Sinner einer praxisorientierten Ausbildung- andererseits werden KPJ-Studierende oftmals als Kompensation für fehlendes Routinepersonal „zweckentfremdet“. Oftmals werden KPJ-Studierende als frei verfügbare Ressource angesehen, die jede Blutabnahme, jedes EKG, jede initiale Patientenbegutachtung, selbstständige PatientInnenaufklärungen und sogar Botendienste, zu absolvieren hat.  

Faktisch soll man nach relativ kurzer Einarbeitungszeit auf den meisten Abteilungen, insbesonderen jenen für Innere Medizin und Chirurgie, eine/n StationsärztIn kompensieren.

Fragwürdigkeit der Kalkulationshöhe der „Aufwandsentschädigung“:

Die Aufwandsentschädigung oder auch „freiwilliger Beitrag zur selbstständigen Lebensbewältigung“ liegt derzeit bei 650€ brutto, das entspricht ungefähr 551€ netto (kein Anspruch auf 13./14. Gehalt, Urlaub oder Krankenstand, aber SV-beitragspflichtig, da oftmals wie ein Gehalt gehandhabt). Bei einer angenommenen Mindestarbeitszeit von 27h pro Woche (sofern man die Vorbereitung auf die Patienten Vorstellung inkl. Nachbereitung nicht als Arbeitszeit rechnen würde und die „strukturierten Unterweisungen“, die Fortbildungen gleichzustellen sind, ebenso nicht dazurechnen würde), wäre das ein monatliches Arbeitspensum von ca. 117h.[5]

Würde man die minimale Anwesenheitszeit zur Berechnung des Stundenlohns entsprechend der Arbeitsrealität von ÄrztInnen heranziehen (Punkto Vorbereitung auf Patienten und innerklinische Pflichtschulungen), kommt man auf ca.151,55h pro Monat.

Eine plausible Wochenarbeitszeit von 40h trifft allerdings in den meisten Fällen zu, teilweise werden KPJ Studierende bis zu 50h pro Woche für ärztliche Tätigkeiten eingesetzt.

Mindestlohn in Österreich:

Der Mindestlohn in Kollektivverträgen 2019 beträgt ca. 1500€ brutto (Stundenlohn 8,67€ brutto), inkl. 13./14. Gehalt, meistens liegt er bei mindestens 1750€ brutto (Stundenlohn 10,09€ brutto).

 „..fast alle Unternehmen der Privatwirtschaft und ca. 99% der Arbeitnehmer von Mindestlöhnen erfasst – das ist EU-Spitze.“[6] Nur KPJ-Studierende sind hiervon nicht betroffen, da es sich um kein Arbeitsverhältnis, sondern ein „Ausbildungsverhältnis“ handelt.

Vergütungstabelle: Mindestlöhne für 99% der ArbeitnehmerInnen und KPJ-Studierende:

 Stundenanzahl pro WocheBruttostunden-lohnNettostunden-lohnNettojahresbezug
Mindestlohn in Kollektivverträgen für 99% der Arbeitnehmer[7]40h10,16€9,25€17.115,82€
KPJ-Studierende    
Minimale Arbeitszeit exkl. Vorbereitungs und verpflichtender Schulungen27h5,56€4,706600€
Minimale Arbeitszeit inkl. Vorbereitung und verpflichtender Schulungen35h4,20€3,636600€
Plausible Arbeitszeit40h3,75€3,186600€
„Maximale“ Arbeitszeit60h2,50€2,116600€
Tabelle 1

Gesondert hervorheben möchten wir das Folgende:

Als Lehrling im universitären Sektor, verdient man bereits im 2. Lehrjahr weit mehr als KPJ-Studierende.

Lehrlinge im AKH/Med Uni Wien trumpfen den Verdienst eines Studierenden also bereits mit 16 Jahren. Selbstverständlich handelt es sich dabei ebenso wie beim KPJ um ein Ausbildungsverhältnis, Lehrlinge sind aber ganz normal und selbstverständlich als ArbeitnehmerIn angemeldet und kommen (wie es sein sollte) in den Genuss von Krankenstand, 13./14. Gehalt etc.

(Abb.1)[8]


(Abb. 2)[9]

Existenzminimum, Lohnpfändungsgrenze und Mindestsicherung:

Die Lohnpfändungsgrenze[10] liegt bei 1075€ Nettobezug monatlich.  Das Existenzminimum liegt bei 933€ monatlich.[11] Die Mindestsicherung für Alleinerziehende kommt 2020 auf 917€.[12]

Armutsgefährung:

„Die aktuelle Armutsgefährdungsschwelle (60% des Median-Einkommens) beträgt 1.238€ monatlich für einen Ein-Personen-Haushalt. Der Wert erhöht sich um den Faktor 0,5 pro weitere Erwachsene Person im Haushalt und um den Faktor 0,3 pro Kind (unter 14 Jahre) im Haushalt.“[13]

Aufkommende Fragen:

1.Das KPJ ist ja ein „Ausbildungsverhältnis“, Studierende bekommen 650€ brutto. Wieso ist mehr gerechtfertigt?

Es spricht nichts dagegen, während seiner Ausbildung bezahlt zu werden. Wir lernen über die Gesamtspanne unserer beruflichen Laufbahn und verrichten Arbeit, die der Krankenhausträger mit den Sozialversicherungsträgern abrechnen kann.

Es sind Routinetätigkeiten durchzuführen, die wir durchaus machen können, so wie EKG-Erstbefundung (kritisch, nicht kritisch), Status, Anamnese, Blutabnahmen, Infusionen anhängen, Ultraschalluntersuchungen, Entlassungsbriefe diktieren und unzählige administrative Herausforderungen. Diese Tätigkeiten sind aufgrund des Volumens nicht vom ohnedies limitierten Personal zu stemmen. Für manche Tätigkeiten benötigt man mindestens eine Person. Eine Blutabnahme durch AssistenzärztInnen ist schlichtweg 5-10x so teuer, verglichen mit  KPJ-Studierenden . Selbiges gilt natürlich für alle anderen Tätigkeiten.

TurnusärztInnen zeitlich freizuspielen ist das Beste, was man für die Personalabteilung machen kann. Das ist unglaublich kosteneffizient. Hierbei verweisen wir auf den Punkt Tätigkeitsprofil. KPJ-Studierende sind, sofern es die Abteilungsleitung als angemessen wahrnimmt (was im Klinikalltag natürlich bei solchen Routinetätigkeiten immer passiert, da chronischer Personalmangel herrscht) berechtigt Tätigkeiten durchzuführen, die aus rechtlichen Gründen nicht auf anderes Personal (das ohnedies ebenso weit teurer wäre) auszulagern sind. Selbst wenn es Tätigkeiten sind, die auf die Pflegepersonen ausgelagert sind, so wäre das für die Personalverrechnung immer noch um ein Vielfaches teurer. Denn Krankenhäuser sollten „wirtschaftlich orientiert sein“, nicht ohne Grund gibt es ein Klinikmanagement.

Nur weil KPJ-Studierende in einem Ausbildungsverhältnis stehen, heißt das nicht, dass das kein entsprechendes Gehalt rechtfertigen würde. Das ist ein deduktiver Fehlschluss. Elektrotechniklehrlinge[14] verdienen bereits mit 16 Jahren (im 2. Lehrjahr) 897€ brutto, im 4. Lehrjahr mit Reifezeugnis sogar 1906€ brutto. Friseurlehrlinge bekommen im 1. Lehrjahr 490€, im 3. Lehrjahr haben sie uns schon mit 799€ um 150€ überholt. Nicht miteingerechnet sind hierbei Trinkgelder, die im Friseurberuf unbesteuert 15-25% des Nettogehalts ausmachen.[15]

KPJ-Studierende sind also in der Position, dass sie 8-10 Jahre nachdem sie in einen Beruf einsteigen hätten können, ein „Praktikum“ absolvieren müssen, dass einen massiven volkswirtschaftlichen Gegenwert hat, sie jedoch unter der Armutsgrenze zurücklässt.

2. Studierende im KPJ haben ähnlich Verantwortung zu übernehmen wie TurnusärztInnen:

Als künftige ÄrztInnen schultern Studierende im KPJ Einiges an Verantwortung. Sie haben ihre Hände und Instrumente in aufgeschnittenen, narkotisierten PatientInnen, müssen Notfallsituationen richtig erkennen können, mögen allen PatientInnen eine emotionale Stütze in Ausnahmesituationen sein, nicht nur nach bestem Wissen und Gewissen Schaden vermeiden, sondern Gutes tun. Gesundheit hat ihren Preis.

3. Wie viele Gehaltsanpassungen gab es seit der Einführung des KPJ?

Die KPJ Aufwandsentschädigung ist nicht inflationsangepasst worden. Bei einer Erhöhung der Lebenserhaltungskosten von 4% pro Jahr (unterschätzt die tatsächlichen Kosten, da durch das KPJ Zusatzkosten durch Mittagsverpflegung, Pendeln, Lernunterlagen, Stethoskop etc. entstehen) hätte die Aufwandsentschädigung seit 2014 um 26,5% auf mindestens 822,46€ steigen müssen.

4. Gesetzliche Rahmenbedingungen der Aufwandsentschädigung:

Die „Aufwandsentschädigung“ die Studierende erhalten, ist gesetzlich nirgends fixiert. Formal kommt die „Aufwandsentschädigung“ einem Gehalt gleich. KPJler zahlen Sozialversicherungsbeiträge und Lohnsteuer. Warum das so ist, weiß niemand.

5. Das KPJ erfüllt fast alle Charakteristika eines Arbeitsverhältnisses. Wieso haben KPJ Studierenden aber weder Anspruch auf Krankenstand, 13./14. Gehalt etc.?

Obwohl KPJ Studierende die meisten Charakteristika eines Arbeitsverhältnisses erfüllen, werden sie von vielen Spitalsträgern oftmals als günstige Arbeitskräfte missbraucht.

Bei Ausbildungsverhältnissen stehen Lern- und Ausbildungszwecke und nicht die Verpflichtung zur Arbeitsleistung im Vordergrund.

Kriterien für das Vorliegen eines Ausbildungsverhältnisses sind insbesondere:

■ Für den Ausbildungszweck muss die erforderliche Zeit zur Verfügung stehen.

■ Die vom/von der Auszubildenden zu verrichtenden Tätigkeiten müssen dem Zweck der Ausbildung entsprechen.

■ Bei der zeitlichen Gestaltung der Anwesenheit im Betrieb besteht größere Freiheit des/der Auszubildenden.

■ Die Mitarbeit des/der Auszubildenden ist für den Arbeitsprozess im Betrieb nicht notwendig.

Ausbildungsverhältnisse unterliegen nicht dem Arbeitsrecht. Es besteht daher z.B. kein gesetzlicher Urlaubsanspruch, kein gesetzlicher Anspruch auf Entgelt oder Sonderzahlungen nach dem Kollektivvertrag, sowie kein Anspruch auf Entgeltfortzahlung bei Krankheit der Unglücksfall.“ [17]

Nur das Universitätsgesetz §35a spricht dagegen:

(1) Das Klinisch-Praktische Jahr ist Teil des Studiums der Humanmedizin und dient dem Erwerb und der Vertiefung ärztlicher Fertigkeiten, insbesondere im Bereich des praktisch-medizinischen Unterrichts.

(2) Die aktive Teilnahme an der Betreuung von Patientinnen und Patienten ist nach Maßgabe der Vorschriften des Ärztegesetzes 1998, BGBl. I Nr. 169/1998, möglich. Diese Teilnahme an der Betreuung von Patientinnen und Patienten ist dem Rechtsträger der Lehreinrichtung und nicht der Medizinischen Universität bzw. der Universität, an der eine Medizinische Fakultät eingerichtet ist, oder den in Ausbildung stehenden Studierenden zuzurechnen. Ein Dienst- oder Arbeitsverhältnis zum Rechtsträger der Lehreinrichtung wird dadurch nicht begründet.

(3) Bloße Unterstützungsleistungen zur Lebensführung der Studierenden durch den Rechtsträger der Lehreinrichtung begründen kein Dienst- oder Arbeitsverhältnis.

Es muss kein Arbeitsverhältnis geschaffen werden, aber eine angemessene Bezahlung muss unserer Meinung nach gewährleistet sein.

Im Klinikalltag fehlt oftmals das Personal und dementsprechend auch die Zeit, um (gute) Lehre betreiben zu können. Der Stationsbetrieb wird auf überlastete ÄrztInnen in Weiterbildung ausgelagert, die oftmals selbst keine gute Lehre erfahren.

5. Vor welche Herausforderungen und Möglichkeiten stellen uns demographische als auch technologische Entwicklungen in der Medizin?

Österreich ist ein Land der Spitzenmedizin. In der Vergangenheit konnte die herausragende Versorgungsqualität durch tausende ÄrztInnen, Pflegekräfte und anderer healthcare workers, die bereitwillig einen Großteil ihres Lebens für ihre PatientInnen aufopfern, bereitgestellt werden. Doch die Medizin wird immer komplexer, nur im interdisziplinären Team, mit einer Umverteilung der Arbeitslast auf mehr Personal und der Integration technischer Neuerungen werden wir die Herausforderungen der Präzisionsmedizin gemeinsam schultern können.

Diagnosealgorithmen, automatisierte Bilderkennung, computergestützte Therapien werden verstärkt Einzug in die Kliniken und in den niedergelassenen Sektor finden. Es gilt diese Veränderungen mitzugestalten und keine reine Beobachterposition einzunehmen.

60% der HausärztInnen werden bis 2025 in Pension gehen. Es gilt nicht mehr ÄrztInnen auszubilden, sondern AbsolventInnen in Österreich zu behalten. Das wird man nur schaffen, wenn man die Arbeits- aber vor allem die Ausbildungsbedingungen attraktiver gestaltet.[18] [19] Weiters müssen in öffentlichen Krankenhäusern mehr Stellen für administratives Personal geschaffen werden. Das ganze System ist auf Selbstausbeutung Einzelner ausgelegt. Die Babyboomer-Generation wird in den kommenden Jahren die Krankenhäuser und den niedergelassenen Bereich intensiv in Anspruch nehmen. Daher braucht es zukunftsträchtige Konzepte, eine digitalisierte Dokumentation und mehr Zeit und Raum für die Aus- und Weiterbildung der kommenden Generationen.[20]

Schlüsselstelle KPJ:

Die Arbeit im Klinisch-Praktischen Jahr wäre unter den richtigen Vorraussetzung eine gute Möglichkeit in den Klinikalltag integriert zu werden. Zwangsverpflichtung zur Arbeit, für weniger als einen Hungerlohn, kommt aber moderner Sklaverei gleich.

Wer während seines KPJ exzellente Lehre und eine angemessene Vergütung bekommt, bleibt eher in Österreich. Wir müssen weg von einem multimorbiden Gesundheitssystem, in dem wir nur Symptome bekämpfen. Nur gut ausgebildete JungärztInnen können die Spitzenmedizin von morgen leisten. Weg vom reinen Systemerhalt, hin zur Medizin, die die Bevölkerung Österreichs auch tatsächlich verdient.

Eure nextgendoctors


[1] https://www.berufslexikon.at/berufe/3266-ElektrotechnikerIn-mit-MODULEN/#berufekvs

[2] https://kpj.meduniwien.ac.at/allgemeine-informationen/anwesenheit-und-fehlzeiten/

[3] https://kpj.meduniwien.ac.at/allgemeine-informationen/selbststudienzeiten-und-strukturierte-unterweisungen/

[4] https://kpj.meduniwien.ac.at/allgemeine-informationen/rechtliche-stellung/rechtliche-stellung-erlaeuterungen/

[5] https://www.wko.at/service/arbeitsrecht-sozialrecht/Normalarbeitszeit.html

[6] https://news.wko.at/news/oesterreich/position_mindestlohn.html

[7] Inkl. 13./14. Bezug bei 1500€ brutto pro Monat

[8] https://www.kollektivvertrag.at/kv/universitaeten-arb-ang/universitaeten-kurzuebersicht/280930?d=Touch

[9] https://derstandard.at/2000050719963/Wo-die-Loehne-und-Gehaelter-noch-unter-1500-Euro-liegen

[10] https://www.schuldnerberatung-wien.at/export/sites/schuldner/dokumente/infos/LohnEx12_2019.pdf

[11]https://www.justiz.gv.at/web2013/file/2c9484852308c2a60123ec387738064b.de.0/informationsbrosch%C3%BCre_web_gesamt.pdf

[12]https://www.oesterreich.gv.at/themen/soziales/armut/3/2/Seite.1693914.html#:~:text=Die%20H%C3%B6he%20der%20Mindestsicherung%20betr%C3%A4gt,159%20und%20rund%20239%20Euro.

[13]http://www.armutskonferenz.at/armut-in-oesterreich/aktuelle-armuts-und-verteilungszahlen.html

[14] https://www.berufslexikon.at/berufe/3266-ElektrotechnikerIn-mit-MODULEN/#berufekvs

[15] https://www.berufslexikon.at/berufe/69-FriseurIn-PerueckenmacherIn-StylistIn/#berufekvs

[16]https://broschuerenservice.sozialministerium.at/Home/Download?publicationId=40

[17]https://www.aekwien.at/news/-/asset_publisher/3NnoSRC33NIz/content/auszug-der-arzte?_101_INSTANCE_3NnoSRC33NIz_redirect=%2Fnews

[18] https://www.aerztekammer.at/daten-fakten

[19]https://www.aekwien.at/presseaussendungen/-/asset_publisher/3NnoSRC33NIz/content/spitalsarzte-2-300-spitalsarzte-auf-vollzeitbasis-fehlen?_101_INSTANCE_3NnoSRC33NIz_redirect=%2Fpresseaussendunge

Bild von Sasin Tipchai auf Pixabay

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