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Situationsflexible Schlüsselkräfte

18.01.2021, Wien
#nextgendoctors #zukunftdermedizin #solidarity

Medizinstudierende im klinischen Praktikum, also known as „die situationsflexiblen Schlüsselkräfte“wie der Umgang mit den Schwächsten die Zukunft der Medizin beeinflusst.

Die Coronapandemie hat Stand 17.01.2021 über 7000 registrierte Todesopfer in Österreich gefordert. Der Schutz der vulnerablen Gruppen hat offensichtlich nicht funktioniert. Doch die höchstwirksamen Impfungen mit einer Efficacy von bis zu 95% (dzt. in der EU zugelassen und in Österreich tlw. verfügbar ist comirnaty, der mRNA-Impfstoff von BioNtech/Pfizer) sind ein Lichtblick. Nach derzeitigem Kenntnisstand wird eine Erkrankung an COVID-19 im gesamten Kollektiv mit besagter Efficacy verhindert; über die Reduktion der Transmission, also der asymptomatischen Infektion und weiteren Verbreitung des Virus gibt es momentan zu wenig Daten. Fakt ist, dass ein überproportional großer Teil der COVID-19-Toten und -Geschädigten den health care workers angehört, also allen ÄrztInnen, Pflegepersonen, SanitäterInnen und anderen Berufsgruppen. Das spiegelt sich wider in der Priorisierungsliste des Bundesministerium für Gesundheit.

Doch wen gibt es da noch? Gerade einmal eine Fußnote sind Auszubildende wert.

COVID-19-Impfungen: Priorisierung des Nationalen Impfgremiums, Version 3.0, Stand 12.01.2021, Seite 7

Mit weitreichenden Folgen: Studierende der Humanmedizin in Wien müssen während des 5. und 6. Studienjahrs Praktika in den Spitälern absolvieren. Insbesondere während des 6. Studienjahres, dem Klinisch-Praktischen-Jahr (KPJ), haben Studierende intensiven Kontakt mit teilweise ungetesteten PatientInnen (oder jenen, bei denen das Testergebnis noch nicht verfügbar ist); teilweise mehr als ÄrztInnen auf den betreffenden Stationen. Viele Studierende hatten mittlerweile leider COVID-19.
Während viele niedergelassene ÄrztInnen dankenswerterweise im Rahmen der Massenimpfaktion bereits geimpft wurden und das Spitalspersonal über die jeweiligen Krankenhäuser versorgt wird, gehen viele KPJlerInnen leer aus. Zu schwach ist ihre Vertretung und zu begehrt der Impfstoff, als dass man auf sie Rücksicht nehmen würde.

Ein Hoffnungsschimmer war eine Anmeldung seitens Medizinischer Universität Wien. Die Studierenden konnten sich bis 22.12.2020 (30h lang) verpflichtend für eine Impfung anmelden.

„Sehr geehrte Studierende,

in Auftrag der Curriculumdirektion Humanmedizin dürfen wir Ihnen folgendes mitteilen: […]

Für Studierende des 5. Und 6. Studienjahres wird es ebenfalls die Möglichkeit geben sich impfen zu lassen. Es ist eine zentrale Organisation im AKH Wien vorgesehen. Sie können sich von heute 21.12. ca. 18:00-22.12.2020 23:59 verbindlich dafür in Moodle […] anmelden.

Mit freundlichen Grüßen […]“

Bild könnte enthalten: Text „Fortschritte Umfrage zum Impfstoffbedarf (Frist: 22.12.2020, 23:59 Uhr) Bitte teilen Sie uns hier mit. ob Sie sich für eine COVID-19 Impfung verbindlich anmelden möchten.“
Verpflichtende Anmeldung zur Impfung seitens Medizinischer Universität Wien

Drei Wochen später, als noch immer keine Impftermine bekannt gegeben wurden und die Massenimpfung im AKH bereits begonnen hatte, begann es unter den Studierenden zu brodeln. Kurz darauf kam eine Mail aus dem Vizerektorat für Lehre:

Bild könnte enthalten: Text „Unsere Erhebung bei den Studierenden des 5.und 6.Studienjahres vor Weihnachten diente der generellen Erhebung von Impfstoffmengen, war aber keine. Anmeldung zu einer COVID-19 Impfung (dieses ist sichtlich bei einzelnen Studierenden so verstanden worden).“
Ausschnitt einer Mail seitens Vizerektorat und Curriculumdirektion

Den Studierenden wird vorgeworfen, sie hätten die „generelle Erhebung“ (sic!), die gleichermaßen eine „verbindliche“ Anmeldung war, wohl missverstanden.

Als AbsolventInnen der Medizinischen Universität Wien waren wir stolz darauf, dass sich die Universität dafür einsetzt, die Studierenden zentral zu impfen. Es war schön, zu wissen, dass die Leistung angehender JungärztInnen (vor allem jener im KPJ), die tagtäglich für grade einmal 3,63€/h wesentlich zur PatientInnenversorgung beitragen, mit der Gleichstellung mit den übrigen ÄrztInnen, honoriert werden sollte.

Umso schmerzhafter war dann die Information, dass die Studierenden das alles „missverstanden“ hätten. Keine Entschuldigung seitens Vizerektorat und Curriculumdirektion, niemand hat einen Fehler gemacht. So sieht das zumindest die Universität.

Im Rahmen einer Pandemie gibt es Verlierer, das liegt leider in der Natur der Sache. Die Frage ist, ob wir als Gemeinschaft gestärkt aus dieser Zeit kommen? Stellgröße dafür ist, ob und wie wir Verantwortung für die Schwächsten in der Gesellschaft übernehmen.

Also wer sollte eine Impfung erhalten? All jene im Gesundheitswesen, die entsprechend exponiert sind. Unabhängig vom Lobbying der Interessensvertretung, den angehäuften Titeln oder den „Freunderln“.

In Österreich haben wir (noch) eine fantastische Akutversorgung im Gesundheitswesen, doch an einem mangelt es ganz bestimmt, egal wo man hinblickt:
Wertschätzung.
Wertschätzung und Transparenz.

das Team von nextgendoctors

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